Detoxkuren - Entgiftung für den Körper

Jedes Frühjahr sieht man sie wieder – die Werbungen für Detox Tees und ähnliche sogenannte „cleansing“ Produkte. Damit du nicht auch in die Marketingfalle dieser so oft angepriesenen Schlankmacher tappst, habe ich dir die wichtigsten Punkte in meinem neuen Blogartikel bereits jetzt zusammengefasst. 

Detoxkuren

Schon seit einigen Jahren sind „Detox“-Produkte überall. Ob es nun Detox-Tees zum Trinken sind, spezielle Shakes, die den Körper reinigen sollen, oder Online Programme, welche mit einer 7-Tages Challenge werben, um deinen Körper von Schadstoffen zu befreien. Passend hierzu habe ich kürzlich einen Blog Beitrag zum Thema Detox entdeckt, der mich prächtig amüsiert hat. Schaut doch gerne selbst mal vorbei!

 

http://www.thepharmafist.com/detox/

 

Dieser hat mich allerdings auch auf die Idee gebracht, etwas tiefer in die Materie einzusteigen. In der Ernährungswissenschaft ist vieles komplexer als es zunächst scheint und anstatt mit einer vorgefassten Meinung über neue Trends zu urteilen, sollte man ohne Vorurteile an diese Neuheiten herantreten. Also los geht’s!

Was ist Detox?

Unter Detox versteht man im weitesten Sinne das Entgiften des Körpers. Dies geschieht bei den beworbenen Produkten meist durch eine Ernährungsumstellung, eben eine Art „Detox-Kur“. Die Detox-Kur soll helfen Gifte und andere Schadstoffe aus dem Körper zu eliminieren, das Wohlbefinden zu steigern und die Gesundheit zu fördern [1]. Klingt gut oder? Wer will schon, dass sein Körper langsam von innen heraus zu einem giftigen Chemikalienlager wird? Doch was genau sind überhaupt diese Gifte von denen wir hier reden? 

Jetzt wird's toxisch!

Unser Körper ist seit Beginn der industriellen Revolution verstärkt Schadstoffen ausgesetzt – so heißt es zumindest. Genau genommen müssen wir Menschen uns schon seit 1000en von Jahren den widrigen Umweltbedingungen stellen und waren schon immer schädlichen Substanzen ausgesetzt. Dennoch kann man nicht leugnen, dass heutzutage eine ganze Reihe neuer Schadstoffe in unserer Umgebung hinzugekommen sind, die unser Körper in der Steinzeit noch nicht kannte. Ob durch passives Rauchen, stark befahrene Städte oder Kontaminationen in Essen und Getränken durch Schwermetalle und Mikroplastik – körperfremde Substanzen lassen sich heute nicht mehr aus unserem Leben ausschließen. 

Ob man bei diesen Stoffen nun von Toxinen reden muss sei einmal dahingestellt. Auch in so mancher „Fachliteratur“ werden natürliche, körpereigene Stoffe wie Milchsäure oder Enzyme als „toxins“ bezeichnet. Toxine - also Gifte – sind in allererster Linie als von anderen Lebewesen produzierte schädliche Substanzen definiert. Hier den Begriff „Toxine“ zu verwenden hat allenfalls gutes Marketingpotenzial – aber dazu später mehr. 

Der Gedanke beim Detox ist, dass sich die schädlichen, körperfremden Substanzen (z.B. POPs = Persistent organic pollutants) in unserem Körper ansammeln – insbesondere im Fettgewebe - und ihn somit von innen langsam schädigen. Folgen sind unter anderem Kardiovaskuläre Erkrankungen, Endokrine Störungen oder Stoffwechselerkrankungen sowie Krebs [2]. Die Detox-Kur soll dem Körper erstens helfen weitere Schadstoffe fernzuhalten und zweitens die vorhandenen Schadstoffe aus ihm heraus zu befördern [3]. 

Die wahren Entgifter in uns

Ob unser Körper jedoch tatsächlich auf unsere Hilfe beim Entgiften angewiesen ist, wage ich, genauso wie viele Forscher weltweit, zu bezweifeln. Unsere Körper sind so angelegt, dass sie schädliche Substanzen meistens von alleine eliminieren können. Das beginnt schon mit dem Immunsystem, welches hilft Krankheitserreger in Form von Viren oder Bakterien abzutöten. Weitere Barrierefunktionen wie die Haut, Nase und Schleimhäute, sowie die Lymphknoten und der Darm helfen dabei, Schädlingen und toxischen Substanzen keinen Einlass in den Körper zu gewähren. 

Doch was, wenn es die Schwermetalle, Abgase oder Sonstiges doch in den Körper schaffen? Auch hierfür hat sich die Evolution etwas sagenhaft Schlaues ausgedacht. 


Unsere Leber dient als primäres „Entgiftungsorgan“. Es ist eine Art Filter, durch welchen alle ins Blut aufgenommenen Stoffe hindurch müssen. In der Leber werden zahlreiche Moleküle hergestellt, welche uns beim Entgiften helfen [4]. Vor allem Metallothioneine helfen als kleine Proteine körperfremde Schwermetalle wie Cadmium, Quecksilber, Kupfer und Zink zu binden [5]. 

Die Schadstoffe einfach zu binden reicht jedoch nicht aus. Ein wahrer Held in unserem Körper ist daher die Niere, da sie für die Ausscheidung der Schadstoffe zuständig ist. Pro Tag wird ca. 180 Liter Primärharn gebildet, der durch weitere Rückresorption auf 18-20 Liter am Tag reduziert werden kann und durch spezielle Mechanismen auf weitere 1,5 Liter pro Tag aufkonzentriert und ausgeschieden wird. Zusammen mit dem Harn werden auch die meisten Schadstoffe ausgeschieden, welche unserer Gesundheit so große Probleme bereiten. 

Nur ein Trend

Die Idee von Detox ist gar nicht so schlecht. Schadstoffe aus der Umwelt kommen in den Körper und durch die Detox-Kur kommen die Gifte wieder raus. Dass sich viele der Schadstoffe im Körper gar nicht anlagern wird dabei oft nicht bedacht. Und die Stoffe die sich anlagern bekommt man durch einfache Detox-Shakes nun auch nicht fortgespült. 

Weiterhin ist das Wort Detox natürlich super aufregend. Marketing technisch ein voller Erfolg. Wenn man die Wahl hat möchte man schließlich auf jeden Fall „Entgiften“. Und wenn es nichts zu entgiften gibt, dann schadet es ja trotzdem nicht. 

Ein weiteres riesen Problem welches das Internet und die Medien trotz der vielen Vorteile mit sich bringen, sind Falschinformationen. Es gibt ein riesiges Angebot an Gerüchten, Mythen und Weisheiten über alle Themen, sodass der Durchschnittsbürger ohne spezielles Studium keinen blassen Schimmer haben kann, was er nun glauben soll. Radikale Ansichten finden darüber hinaus immer regen Zulauf und indem wichtige Fakten weggelassen werden, kann man nahezu jede Aussage als glaubhaft darstellen. 

Letztendlich ist Geld hier meist die treibende Kraft. Jeder möchte mit seiner Idee etwas verdienen und solange die Produkte niemandem schaden ist das auch in Ordnung. Lediglich die falschen Versprechen von potenziellem „Entgiften“ wo es gar nichts zu entgiften gibt sollten nochmals überdacht werden. Die meisten Influencer und auch Blog Betreiber werden übrigens dafür bezahlt, wenn sie die Produkte anpreisen. Auf Seiten wie dieser (https://www.gegengift-detox.de/affiliate-home), kann man sich als Affiliate Partner bewerben. Klickt eine Person auf das Detox Produkt, das auf deiner eigenen Seite beworben wurde und kauft es anschließend, hast du dir sofort etwas dazu verdient. 

Der Zweck heiligt die Mittel

Nichts desto trotz sollte man sich nach einem kritischen Blick auf das Thema Detox auch die deutlichen Vorteile genauer vor Augen führen. Viele Erfahrungsberichte zeigen, dass eine Detox-Kur tatsächlich das Wohlbefinden steigern kann und auch nachhaltig einige Vorteile bereithält. Die starke Kalorienrestriktion mancher Kuren führt zwangsläufig zum Abbau von Fettmasse, was sich letztlich positiv auf das Körpergewicht und bei den meisten auch auf das Lebensgefühl auswirkt. Hier sollte man jedoch darauf achten, dieses starke Kaloriendefizit nicht zu lange aufrecht zu erhalten, da zum einen wichtige Nährstoffe nicht zugeführt werden und auch der Grundumsatz des Körpers nach einiger Zeit darunter leiden kann. 

Die hohe Flüssigkeitszufuhr bei derartigen Kuren führt selbstverständlich zu einer zunehmenden Harnbildung, was den gewünschten Effekt des „Entgiftens“ mit sich bringt. Die Nieren arbeiten mehr, wodurch potenzielle Schadstoffe leichter aus dem Körper entfernt werden können. 

Viele Detox-Kuren basieren auf verschiedenen Kräutermischungen oder auf Lebensmitteln mit potenziell positiven Effekten für die Gesundheit. Insbesondere Ingwer, Knoblauch, Koriander und Zitronen werden häufig für ihre gesundheitsförderlichen Eigenschaften gelobt. Auch wenn es zu den besagten Detox-Kuren keine klinischen Studien am Menschen gibt, welche die Wirksamkeit beweisen könnten, so ist natürlich trotzdem nichts falsch daran diese natürlichen Lebensmittel in den Alltag zu integrieren. Vereinzelte Studien, v.a. in Tieren, konnten zeigen, dass die Wirkstoffe dieser Lebensmittel tatsächlich entgiftende Eigenschaften mit sich bringen. 

[3]

 

 

Letztendlich sollte man, wenn man sich zu diesen Produkten entscheidet, darauf achten, weiterhin genügend Kalorien zuzuführen und alle gewünschten Nährstoffe aufzunehmen. Detox soll keine Crash Diät sein, sondern dir dabei helfen dich wohler zu fühlen. 

3 Tipps zum "Entgiften"

Ein paar einfache Tipps zum Thema „Entgiften“ möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten. Wer daran interessiert ist, seinen Körper einmal von allem Schädlichen zu befreien, muss nicht zwingend zu teuren Produkten greifen oder Online-Programme heranziehen.

Tipp Nummer 1 ist Trinken! Der Grundsatz von Detox ist, seinem Körper viel Flüssigkeit zuzuführen, damit er über die Flüssigkeit viele Schadstoffe ausscheiden kann. Vor allem Kräuter Tees oder selbstgemachte Limonaden mit Ingwer und Zitrone oder Gurke bieten sich hier an, um noch wichtige sekundäre Pflanzenstoffe aufzunehmen und den Geschmack etwas zu verbessern. 

Ein weiterer interessanter Tipp ist der Gang in die Sauna. Studien haben gezeigt, dass regelmäßiges saunieren dabei hilft, Schadstoffe aus dem Körper zu entfernen. Durch die Saunagänge konnten sogar geringe Mengen an unerwünschten Schwermetallen über den Schweiß nach außen abgeführt werden [6].

Als letzten Tipp empfehle ich regelmäßige Bewegung und gesundes Essen. Es nützt nichts Schadstoffe aus dem Körper zu entfernen, wenn wir sie regelmäßig wieder zu uns nehmen. Deshalb setzt vor allem auf Bio-Produkte und naturbelassene Zutaten und lasst die Finger von Fertigprodukten. Sport hilft dem Körper die Schadstoffe die sich im Fettgewebe ansammeln freizusetzen und auszuscheiden. Ein aktiver Lebensstil hilft gleichzeitig dabei das Wohlbefinden zu erhöhen, den Stoffwechsel anzukurbeln und nachhaltig fit und gesund zu bleiben. 

Wer noch mehr über das Thema Detox wissen möchte, sollte sich einmal diesen amüsanten Blog-Beitrag von „Thepharmafist“ durchlesen:

 

http://www.thepharmafist.com/detox/

 

 

Wer wirklich tief in die Materie eintauchen kann, dem kann ich dieses Review über das Thema empfehlen: [3]

Literaturverzeichnis

[1] https://www.health.harvard.edu/staying-healthy/the-dubious-practice-of-detox

[2] Jones, Kevin C., and P. De Voogt. "Persistent organic pollutants (POPs): state of the science." Environmental pollution 100.1-3 (1999): 209-221.

[3] Klein, A. V., and H2 Kiat. "Detox diets for toxin elimination and weight management: a critical review of the evidence." Journal of human nutrition and dietetics 28.6 (2015): 675-686.

[4] Grant, D. M. "Detoxification pathways in the liver." Journal of inherited metabolic disease. Springer, Dordrecht, 1991. 421-430.

[5] Siscar, Rosario, et al. "The role of metallothionein and selenium in metal detoxification in the liver of deep-sea fish from the NW Mediterranean Sea." Science of the Total Environment 466 (2014): 898-905.

 

 [6] Crinnion, Walter. "Components of practical clinical detox programs-sauna as a therapeutic tool." Alternative therapies in health and medicine 13.2 (2007): S154.

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