Wo entsteht der Muskelkater?

Der Ursprung von Muskelkater wir schon seit Jahren diskutiert. Früher meinte man, dass das im Muskel anfallende Laktat – also Milchsäure – für die Entstehung von Muskelkater verantwortlich sei. Dass dies nicht der Fall ist, wurde bereits mehrfach bewiesen. Man einigte sich in Folge dessen darauf, dass Muskelkater durch mikroskopisch kleine Risse in den Muskeln entstehen. Doch ist diese Annahme immernoch zeitgemäß?

Beim Krafttraining kommt es immer im Wechsel zu konzentrischen und exzentrischen Bewegungen. Die exzentrische Phase ist die Abbremsphase, in der z.B. ein Gewicht wieder zum Boden gelassen wird. Die Risse in den Muskeln entstehen insbesondere in dieser Phase, da der Muskel unter Spannung gedehnt wird. Diese Risse in den Z-Scheiben der sogenannten Sarkomere, sollen der Theorie nach zu Entzündungsprozessen im Muskel führen. Das soll auch der Grund sein, weshalb der typische Schmerz beim Muskelkater oft erst einen Tag später einsetzt. Nach mehreren Stunden beginnen die Entzündungsprozesse und das Gewebe schwillt an. Somit drückt es auf Schmerzrezeptoren in den Muskeln. 

Dieser Ansatz hat einige korrekte Punkte, wurde aber in den letzten Jahren erneut verworfen. Denn mit dem Hype um die Faszien – unser körperumfassendes Bindegewebe – kam eine neue Theorie auf. Der Muskelkater kommt nicht etwa von den Muskeln selbst, sondern von den Faszien. 

Faszien haben eine ca. 10-fach höhere Dichte an Schmerzrezeptoren, als Muskelgewebe. Demnach ist es auch sehr wahrscheinlich, dass die Schmerzen nach dem Training eher aus den Faszien kommen. Ein Forscherteam führte einen interessanten Versuch durch, um genau dies zu beweisen. Nach einem intensiven Krafttraining mit vielen exzentrischen Phasen, injizierten die Forscher Kochsalzlösung in die Muskeln und in das umliegende Fasziengewebe. Den größten Schmerz verspürten die Sportler, wenn die Kochsalzlösung ins Epimysium – also die Faszienschicht, welche den Muskel umgibt – eingespritzt wurde.[1] Dies lässt Rückschlüsse darauf zu, dass die Entzündungsprozesse in diesem Bereich größer sind, als im Muskel selbst. [2]

Neue wirksame Tipps und Tricks um den Muskelkater zu vermeiden gibt es leider noch nicht, allerdings ist die neue Erkenntnis um die Entstehung ein weiterer, wichtiger Schritt in einem spannenden Forschungsgebiet. Natürlich schließen die genannten Studien nicht aus, dass auch Schäden im Muskelgewebe selbst entstehen können, jedoch bleibt anzunehmen, dass der primäre Schmerz aus dem Bindegewebe stammt. Mein Tipp für alle die den „Faszienkater“ möglichst vermeiden wollen: Reduziert den Anteil der exzentrischen Bewegung, denkt immer an einen kleinen "Cool-Down" nach dem Training und haltet eure Faszien mit etwas Mobility- und Faszien-Training weiterhin schön geschmeidig [3] !

Wer sich intensiver mit dem Thema Faszien auseinandersetzen möchte, dem empfehle ich dieses Review von Dr. Robert Schleip, einem der Pioniere im Bereich der Faszienforschung.

 

 

http://axissyllabus.org/assets/pdf/Schleip_Fascia_as_a_sensory_organ.pdf

 

Literaturverzeichnis

[1] Gibson, William, et al. "Increased pain from muscle fascia following eccentric exercise: animal and human findings." Experimental brain research 194.2 (2009): 299.

[2] Lau, Wing Yin, et al. "Changes in electrical pain threshold of fascia and muscle after initial and secondary bouts of elbow flexor eccentric exercise." European journal of applied physiology 115.5 (2015): 959-968.

[3] Pearcey, Gregory EP, et al. "Foam rolling for delayed-onset muscle soreness and recovery of dynamic performance measures." Journal of athletic training 50.1 (2015): 5-13

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