Atkins-Diät

 

Die Atkins-Diät ist eine sehr strenge Form der Low-Carb Diäten. Sie geht auf den Erfinder Dr. Robert C. Atkins zurück. Bei dieser Ernährungsform soll die Kohlenhydratmenge maximal reduziert werden, sodass ca. 20 bis maximal 70 g Kohlenhydrate pro Tag aufgenommen werden.

Der Wirkmechanismus dieser Diätform läuft wie folgt ab: Durch den Kohlenhydratverzicht leeren sich die die Glykogenreserven der Muskeln immer weiter, was vor allem bei gleichzeitiger sportlicher Aktivität beschleunigt werden kann. Das Leeren der Glykogenreserven signalisiert dem Körper die Fettverbrennung zu steigern. [137, 133] Nach einigen Tagen zehrt der Körper nur noch von den vorhandenen Fettreserven, da kein Glykogen mehr als Energielieferant vorhanden ist. Da vor allem die Nerven und Blutkörperchen Glucose benötigen, wird Zucker durch die sogenannte Gluconeogenese (Zuckerneubildung) in der Leber generiert. Hierzu werden anfangs vor allem Proteinbausteine verbrannt.

Ein hervorzuhebendes Ziel der Atkins Ernährung ist die Reduktion von Insulin. Insulin wird durch erhöhte Blutzuckerspiegel freigesetzt und führt dazu, dass Glucose in die Zellen eingelagert wird. Durch den Verzicht auf Kohlenhydrate sinkt der Blutzuckerspiegel und der Insulinspiegel kann um bis zu 30 % reduziert werden [138]. Vor allem Muskelzellen haben in Folge dieser Diät weniger Energiereserven, weshalb die Leistung im Training deutlich geringer ausfallen kann. Jedoch werden auch die negativen Auswirkungen von Insulin aufgehoben. Zum Beispiel fördert Insulin die Aktivität der Lipoproteinlipase, einem Enzym, welches dafür sorgt, dass vorbeischwimmende Fett-Transporter ihren Inhalt in den Fettzellen abladen. Zusätzlich wird die Triglyceridlipase durch Abwesenheit von Insulin nicht mehr gehemmt. Dieses Enzym dient dem Freisetzen von Fettsäuren in Hungersituationen und während des Trainings.

Aufgrund der positiven Eigenschaften auf den Insulinspiegel bei der Atkins-Diät, schwimmen innerhalb kürzester Zeit zahlreiche freie Fettsäuren im Blut herum. In der Leber können jedoch nicht alle Fettsäuren vollständig gespalten werden, weshalb es zu Bruchstücken kommt. Da diese nicht eingespeichert werden können, müssen sie auf eine andere Art und Weise den Körper verlassen. Hier kommt die sogenannte Ketogenese ins Spiel (daher wird die Atkins-Diät auch Ketogene- oder Keto-Diät genannt). Bei der Ketogenese werden unvollständig abgebaute Fettsäurereste zu Ketonkörpern umgewandelt. Nach einer mehrwöchigen Anpassungsphase ist der Körper in der Lage diese Ketonkörper als Energiequelle fürs Gehirn und die Muskeln zu verwenden. Die restlichen Ketone werden über die Lunge ausgeatmet (Mundgeruch) oder über den Urin ausgeschieden.

Das Prinzip der Atkins-Diät besteht also darin, dass der Körper zum einen lediglich auf Fettsäuren und Ketonkörper als Energiequelle zurückgreifen kann und gleichzeitig die Einlagerung von Fett stark gehemmt wird und die Freisetzung der Fettsäuren unheimlich gesteigert wird.

Tatsächlich können Atkins-Ernährungsdiäten die Fettdepots massiv reduzieren, jedoch zeigen sich die Vorteile nur bei kürzerer Anwendung bis zu wenigen Monaten. Danach gibt es keine nennenswerten Unterschiede zwischen Atkins und anderen Diätformen. [159] Ebenso lässt sich sagen, dass bei Low-Carb Ernährung vor allem eine Kalorienreduktion erreicht wird. Diese entsteht zum einen durch ein gesteigertes Sättigungsgefühl durch vermehrten Protein und Fettkonsum. [153] Außerdem fallen viele Nahrungsmittel weg, welche im Zuge von Kohlenhydratverzehr konsumiert werden, wie zum Beispiel Brotaufstriche. Die beobachtete Kalorienreduktion alleine genügt häufig schon die Fettdepots zu schmelzen, auch wenn dieser Effekt bei kurzfristiger Anwendung unter Atkins verstärkt wird. [146, 149, 151, 153, 154, 155] Ebenfalls lässt sich jedoch eine sehr hohe Abbrecherquote bei den durchführenden Personen feststellen, da eine so strenge Ernährungsweise heutzutage kaum gesellschaftstauglich ist und häufig einseitig sein kann. Zusätzlich kommt es oft zu einer mangelnden Versorgung mit Ballaststoffen und Mikronährstoffen [179]. Weitere negative Auswirkungen können eine gedrückte Stimmung und Demotivation sein. Es bleibt auch zu erwähnen, dass es keine nennenswerten Langzeitstudien für eine derart strikte Ernährungsform mit so hohem Fettanteil gibt. Für Sportler ist außerdem wichtig, dass vergleichsweise zu High-Carb Diäten die Muskelmasse bei Atkins verstärkt abgebaut wird, was zum einen auf die negative Kalorienbilanz zurückzuführen ist, zum anderen auch der Abwesenheit des Insulins geschuldet ist. Dies kann bei kürzeren Diäten jedoch durch eine erhöhte Eiweißzufuhr ausgeglichen werden.

 

 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Atkins-Diät zwar keine überlegene anabole Wirkung auf das Muskelwachstum hat, jedoch lassen sich innerhalb kurzer Zeit schnellere Erfolge im Rahmen der Fettverbrennung erreichen, als durch konventionelle Ernährungsformen. Diese Vorteile gehen nach einigen Monaten zurück. Daher dient die Atkins-Ernährungsform vor allem kurzzeitiger Gewichtsreduktion. Damit kann verhindert werden, dass Mangelerscheinungen auftreten und zu viel Muskelmasse abgebaut wird. 

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